Dieses Seminar nimmt die soziologische Debate um Prekarisierung zum Ausgangspunkt, die sich auf soziale Lagen von Menschen bezieht, die Gefahr laufen in die Armut und damit verbundene Formen der Ausgrenzung abzugleiten. Studien zeigen, dass diese Risiken in den letzten Jahren insbesondere für Jugendliche und junge Erwachsene zugenommen haben.

Vor diesem Hintergrund sollen im Seminar sozialstaatliche Angebote für Jugendliche in prekären Lebenssituationen analysiert und kritisch im Hinblick auf sozialarbeiterisches Handeln reflektiert werden. Bei genauerer Analyse stellen sich solche Angebote, soweit vorhanden, nicht selten ebenfalls als prekär im Sinne von unsicher und wenig verlässlich heraus, weil sie an bestimmte Altersgrenzen oder Lebensumstände gebunden sind, die der Lebenssituation der AdressatInnen nicht Rechnung tragen.

Sozialarbeiterisches Handeln steht damit vor der Herausforderung bislang wenig koordinierte Hilfen für Jugendliche in der „Zwischenzone“ übergreifend über verschiedene Disziplinen, Träger und rechtliche Vorgaben hinweg zu mobilisieren und zugleich die Stimmen und Belange der Addressatinen und deren Partizipations- und Mitbestimmungsrechte zu berücksichtigen.

Das Seminar lädt dazu ein, die Möglichkeiten und Begrenzungen sozialarbeiterischen Handelns mit Bezug auf bestimmte Dimensionen prekärer Jugend (z.B. den Übergang von Careleavers und die Situation wohnungsloser oder arbeitsloser Jugendlicher, aber auch Fragen der sozialen und politischen Partizipation von Jugendlichen) zu erforschen. Im Fokus stehen dabei die prekären Lebenslagen von Jugendlichen in Mönchengladbach und Umland, sowie die dortigen Angebote von Selbsthilfeinitiativen, Trägern und amtlichen Programmen.

Unter Bezugnahme auf theoretische Überlegungen zu Prekarität, Jugend und Partizipation können im Rahmen der Seminararbeit konkrete Sozialräume in der Stadt/Region daraufhin analyisert werden, welche Angebote sie Jugendlichen in prekären Lebenssituationen bieten und welche Handlungsoptionen und -herausforderungen sich Sozialarbeitenden dabei stellen.